Warum sollte man Radon messen?
- 30. Apr.
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Mai

Radon, Feinstaub, VOCs, NOx – all diese Schadstoffe können in der Innenraumluft in zu hoher Konzentration vorkommen.
Sie können sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Trotzdem beschäftigen sich viele Menschen mit der Luft, die sie in Innenräumen einatmen, gar nicht.
Viele dieser unerwünschten Stoffe in der Innenraumluft lassen sich mittlerweile einfach und in Echtzeit messen. Dazu gehört auch Radon.
Was ist Radon?
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas, das beim Zerfall von Uran in Böden und Gesteinen entsteht.
Im Freien verdünnt sich Radon meist rasch. Es kann jedoch aus verschiedenen Gründen in Gebäude eindringen. In unzureichend gelüfteten Innenräumen kann es sich anreichern; insbesondere in Erdbodennähe, also zum Beispiel im Keller oder Räumen in Hanglage.
Radon kann man nicht riechen oder schmecken. Man kann es jedoch selbst mit entsprechenden Messgeräten in Echtzeit messen. Wenn man es nicht misst, bleibt es unbemerkt.
Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Radon?
Radon und seine Folgeprodukte gelangen mit der Atemluft in die Lunge und geben dort Strahlung ab. Das kann das Lungengewebe schädigen. Radon ist laut WHO nach dem Rauchen weltweit die zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs. Bei Nichtraucher:innen ist es die häufigste Ursache.
Die Radonbelastung wirkt kumuliert. Entscheidend ist die Summe über die Zeit. Je länger und je höher die Belastung, desto größer das Risiko. Raucher:innen gelten als besonders gefährdet. Auch bei Haushalten mit Kindern kann erhöhte Radon-Awareness angebracht sein, weil sich die schädlichen Wirkungen von Radon über die Lebenszeit aufsummieren und gerade kleine Kinder einen relativ großen Anteil ihrer Zeit zu Hause verbringen. Mit dem heutigen Wissen und den möglichen Lösungen kann man (im Gegensatz zu früher) die Radonexposition möglichst früh im Leben verringern.
Der österreichische Radon-Maßnahmenplan verweist auf den Expert:innenkonses, dass das Lungenkrebsrisiko pro zusätzlicher langfristiger Radonbelastung von 100 Bq/m³ um 16 Prozent steigen kann.
Wie kommt Radon in Gebäude?
Wie viel davon in ein Gebäude und in die Raumluft gelangt, ist je nach Region, Gestein, Bodenuntergrund und Bauweise sehr unterschiedlich.
Radon kann über Risse im Fundament, undichte Bodenplatten, Rohr- und Leitungsdurchführungen oder andere Stellen ins Gebäude gelangen. Auch Wetter, Luftdruck und Temperaturunterschiede sind Einflussfaktoren. Insbesondere im Winter kann durch den Kamineffekt ein Unterdruck entstehen, der radonhaltige Bodenluft verstärkt ins Gebäude zieht.
Besonders neue, fast luftdichte Gebäude können für hohe Radonbelastungen anfällig sein. Das betrifft Gebäude, die nach hohen Energiestandards gebaut sind, beispielsweise Passivhäuser. Je nach Bauweise und Luftführung kann Radon nicht nur im Keller bleiben, sondern etwa durch Lüftungsanlagen (z.B. kontrollierte Wohnraumlüftung) in andere Bereiche des Gebäudes verteilt werden.
Radon kann auch in im Trinkwasser vorkommen. Bedeutender in Gebäuden ist, dass es über den Boden eindringt.
In welchen Einheiten wird Radon gemessen?
Radon wird fast immer in Bq/m³ gemessen. Das steht für Becquerel pro Kubikmeter Luft.
Radonmessgeräte erfassen, wie viele radioaktive Zerfälle pro Sekunde in einem Kubikmeter Luft stattfinden.
Ein Beispiel von der österreichischen offiziellen Radoninformationsseite: 300 Bq/m3 bedeuten, dass in einem Volumen von einem Kubikmeter Luft pro Sekunde 300 Radon-Atomkerne unter Aussendung ionisierender Strahlung zerfallen.
In den USA wird in der Einheit Picocurie pro Liter gemessen. 1 pCi/L entspricht ungefähr 37 Bq/m³.
Welche Referenzwerte für Radon gibt es?
Einen völlig sicheren Radonwert gibt es nicht. Die Belastung sollte in allen Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen so niedrig wie vernüftig erreichbar gehalten werden. Gemeint sind Räume, wo man sich für gewöhnlich länger aufhält.
Der Überblick über die wichtigsten Referenzwerte:
100 Bq/m³ im Jahresmittel empfiehlt die WHO für Aufenthaltsräume, sofern dieser Wert erreichbar ist. Kann die Empfehlung aufgrund der geologischen Bedingungen nicht erreicht werden, sollte der Referenzwert 300 Bq/m³ nicht überschreiten.
Darum hat die Europäische Union 300 Bq/m³ im Jahresmittel als Referenzwert festgelegt. Dieser Wert wurde von vielen europäischen Ländern übernommen; auch von Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz.
200 Bq/m³ im Jahresmittel gelten in Kanada als Grenzwert. Laut der offiziellen Radon-Infoseite von Kanada überschreiten 7 % aller Gebäude diesen Schwellenwert. In bestimmten Regionen liegen sogar 50 % über den Grenzwerten. In 90 % der Häuser wurden Radon noch nicht gemessen.
In den USA beträgt der Referenzwert 4 pCi/L. Das entspricht rund 148 Bq/m³.
Welche Radon-Richtwerte gelten in Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz?
Österreich

In Österreich gibt es seit 2021 einen nationalen Radon-Maßnahmenplan. Als Grundlage dienten 50.000 Messungen in österreichischen Gebäuden. Daraus entstand auch die österreichische Radonkarte. Die durchschnittliche Radonkonzentration in Innenräumen liegt bei 112 Bq/m³ im Jahresmittel. Damit gehört Österreich zu den Ländern mit besonders hoher durchschnittlicher Radonbelastung; innerhalb Europas wird nur Tschechien höher eingeordnet. 34 % der Haushalte in Österreich liegen über 100 Bq/m³, etwa 6 % über dem gesetzlich gültigen Referenzwert von 300 Bq/m³.
Große Teile Österreichs sind als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen. In Radonvorsorge- und Radonschutzgebieten muss Radonschutz bei Neubauten eingehalten werden. Für bestimmte Arbeitsplätze gelten ebenfalls Mess- und Schutzpflichten.
Deutschland

In Deutschland liegt die durchschnittliche Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen bei rund 65 Bq/m³ im Jahresmittel.
Nach aktuellen Prognosen des Bundesamts für Strahlenschutz sind etwa 10,5 Millionen Menschen in Wohnungen Radonkonzentrationen von über 100 Bq/m³ ausgesetzt.
Knapp 2 Millionen Menschen sind in Gebäuden einer Konzentration von 300 Bq/m³ ausgesetzt. Dort gelten besondere Regeln.
Schweiz

Für die Schweiz gilt der Referenzwert von 300 Bq/m³. Ausnahmen gibt es für einige Arbeitsplätze, wo bis zu 1000 Bq/m³ genannt werden.
Die mittlere Radonkonzentration in bewohnten Gebäuden liegt in der Schweiz bei etwa 75 Bq/m3.
Südtirol

Südtirol - Autonome Region Bozen - hat 2026 erstmals offizielle Radonrisikogebiete festgelegt. Als Radonrisikogebiet gelten Gemeinden, in denen schätzungsweise in mehr als 15 Prozent der Wohnungen der Jahresmittelwert über 300 Bq/m³ liegt. Zusätzlich gibt es Radonvorsorgegebiete mit 10 bis 15 Prozent und „zu vertiefende Gemeinden“, in denen weitere Messungen nötig sind. In den Radonrisikogebieten gelten Vorgaben sowohl für Arbeitsplätze als auch für Wohngebäude. In Südtirol gibt es etwa auch Schwellenwerte für Trinkwasser: Dort gilt für Trinkwasser ein Wert von 100 Bq/l, ab dessen Überschreitung die Gesundheitsrisiken bewertet werden müssen; ab mehr als 1.000 Bq/l sind Abhilfemaßnahmen vorgeschrieben.
Die offiziellen Radonkarten liefern eine erste Einordnung. Sie dienen als grober Hinweis darauf, ob die Radonbelastung in der eigenen Umgebung ein Thema sein könnte. Gewissheit über die Radonkonzentration in einem Gebäude gibt nur eine Messung.
Die zuständigen Behörden wie etwa das Bundesamt für Strahlenschutz in Deutschland oder die österreichische AGES betonen ausdrücklich, dass aufgrund der Radonkarte konkrete Schätzungen zu einzelnen Gebäuden oder Grundstücken nicht zuverlässig möglich sind.
Mit welchen Geräten kann man Radon messen?
Passive Radon-Langzeitmessung
Die klassische Form ist die passive Radon-Langzeitmessung mit kleinen Detektoren. Sie brauchen keinen Strom, machen keine Geräusche und bleiben über mehrere Monate in denselben Räumen. Zwei Detektoren werden in den Räumen aufgestellt, in denen sich Menschen am häufigsten aufhalten. Der Messzeitraum dauert rund sechs Monate und sollte idealerweise die Heizperiode mit abdecken.
Während der Zeit der passiven Messung sieht man keine aktuelen Radonwerte. Das ist auch der Nachteil dieser Messmethode. Am Ende werden die Detektoren zurückgeschickt und ausgewertet. Das wichtigste Ergebnis der passiven Radonmessung ist der Jahresmittelwert in Becquerel pro Kubikmeter Luft (Bq/m³). Das ist der entscheidende Wert, den man mit dem Referenzwert von 300 Bq/m³ vergleicht. Dadurch weiß man, ob man umfassendere Sanierungsmaßnahmen andenken muss. Die Kosten für die Messung samt Auswertung betragen meist zwischen 80 und 100 Euro.
Für Österreich etwa bietet die zuständige Radonstelle AGES ein Kontingent an kostenlosen Messungen für Privathaushalte an.
Echtzeitmessung mit aktivem Radonmessgerät
Mittlerweile gibt es dank verbesserter Sensortechnologie Radonmessgeräte für den permanenten Einsatz im Alltag. Sie haben eine hohe Messgenauigkeit im Vergleich zu professionellen Geräten. Dadurch bleibt die Radonbelastung im Gegensatz zur passiven Messung permanent sichtbar und damit steuerbar. Der Messvorgang ist so einfach, wie die Benutzung eines Raumthermometers.
Zuverlässige Radonmessgeräte für den privaten Einsatz kosten zwischen 150 und 240 Euro (abhängig von Hersteller und Aktion). Das ist weniger als ein Smartphone und nur rund doppelt so viel wie eine passive Radonmessung kostet.
Man sieht selbst, wann Werte steigen, wie hoch Spitzen ausfallen und was sich durch Lüften, Wetter, Jahreszeit oder bauliche Veränderungen verändert. Je nach Gerät und Hersteller werden die Werte direkt am Display, in einer App oder in beidem angezeigt. Dazu kommen Durchschnittswerte über verschiedene Zeiträume, zum Beispiel über 24 Stunden oder einen Monat. Der große Unterschied zur passiven Radonmessung ist, dass man Echtzeitwerte hat und auch Trends erkennen kann. Dadurch kann man etwa kurzfristig handeln und beispielsweise verstärkt lüften, oder man überprüft, ob eine Radonmaßnahme wie Abdichten der Kellertür erfolgreich gewesen ist.
In Wohnräumen, Büros, Schulen oder anderen Arbeitsumgebungen wird sichtbar, welche Räume auffällig sind, ob sich Belastungen wiederholen und wo genauer hingesehen werden sollte, und ob z.B. Lüften als einfachste Maßnahme ausreicht. Wer Radon wirklich verstehen, dokumentieren und gezielt senken will, bekommt mit einem eigenen Radonmessgerät deutlich mehr Information und mehr Handlungsspielraum.
Welche Maßnahmen helfen bei erhöhten Radonwerten?
Dauerhafte Radonmessung - what you can measure you can manage
Das wichtigste ist die permanente Echtzeitmessung von Radon, denn nur wer die Belastung laufend sieht, kann gezielt darauf reagieren. Wichtige Grundlage ist dennoch, dass man besonders in Gebieten, wo hohe Radonbelastung jedenfalls erwartbar ist, eine passive Messung durchführen lässt.
Kurzfristig
Ab etwa 100 Bq/m³ lüften. Die WHO empfiehlt 100 Bq/m³ als Referenzwert, wenn dieser erreichbar ist. Wer selbst misst, ist im Vorteil und kann ab diesem Wert bereits reagieren und den Wert durch lüften senken.
"Spitzen weglüften": Spitzen von deutlich über 100 Bq/m³ können - insbesondere in der Heizsaison - auch in Gegenden vorkommen, wo man aufgrund von Radonkarten keine derartig hohen Werte vermuten würde.
besteluft hat an mehreren Messpunkten Radonvorsorgegebieten im Süden Österreichs (das ist die mittlere Stufe in Österreich) im Winter Spitzen über 1500 bq/m³ gemessen.
Lüften senkt die Radonkonzentration jedoch nur kurzfristig. Wie lange der Lüftungseffekt anhält, hängt von der jeweiligen Radonsituation ab. Grundsätzlich ist es ohnehin wichtig, immer wieder frische Luft in einen Raum zu lassen. In gut gelüfteten Räumen ist die Luftqualität insgesamt besser, wir können uns besser konzentrieren, sind produktiver und können auch besser schlafen. Abzuwägen ist das Lüften natürlich mit dem Wärmeverlust.
Mittelfristig
Den Übertritt aus dem Keller begrenzen. Türen zum Keller geschlossen halten und, wenn nötig, abdichten. Das ist eine einfache Maßnahme, die man meist auch selbst durchführen kann. Ob sie Erfolg hat, kann man mit dem eigenen Radonmessgerät feststellen.
Langfristig
Abdichtung von Rissen im Fundament, Fugen, Rohr- und Leitungsdurchführungen oder anderen undichte Stellen.
Gebäudesanierung durch Lüftungsanlage oder Unterbodenabsaugung der radonhaltigen Luft. In einigen Ländern/Regionen gibt es für die Gebäudesanierung bei der Überschreitung der Referenzwerte eine Förderung.
Bei Neubauten Radonschutz berücksichtigen: Vorbeugende Maßnahmen sind meist einfacher und günstiger als eine spätere Sanierung. Wo Radonschutz nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist, lässt sich bei der zuständigen Behörde und dem bauausführenden Unternehmen klären, welche Maßnahmen für den konkreten Neubau sinnvoll sind. In den verschiedenen Radonvorsorge- und Schutzgebieten gibt es ohnehin gesetzlich verpflichtende Vorschriften, die bei Bauten einzuhalten sind. Die Vorgaben dafür unterscheiden sich je Staat und Bundesland oder Landkreis.
Fazit: Warum ist es wichtig, Radon selbst zu messen?
Weil Radon unsichtbar bleibt, solange es nicht gemessen wird. Weder Geruch, noch Gefühl noch eine offizielle Karte sagen verlässlich, wie hoch die Belastung in den Räumen ist, in denen viel Zeit verbracht wird.
Sinnvoll ist die Radonmessung dort, wo regelmäßig viele Stunden verbracht werden: in Schlaf- und Kinderzimmern, im Homeoffice, im Büro, in Klassenräumen. Die Messung und das Monitoring der Radonbelastung ist die Voraussetzung um gezielt handeln zu können.
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Anmerkung: die besteluft Testberichte für Aranet Radon Plus und Aranet Radon ONE werden demnächst veröffentlicht
Weitere Informationen zu Radon:
Deutschland: Bundesamt für Strahlenschutz
Österreich: Fachstelle für Radon und AGES
Schweiz: Bundesamt für Gesundheit BAG Südtirol: Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz
Europäische Union: Digitaler Radonatlas
WHO (Weltgesundheitsorganisation): Key Facts Radon
Bundesamt für Strahlenschutz: Sind erhöhte Radon-Konzentrationen für Kinder besonders gefährlich?


